Senioren reisen

In einem Programmheft hatten wir erstmals Beiträge zu einem inhaltlichen Schwerpunkt gesammelt und zusammengestellt: "senioren reisen" – das geht doch die meisten von uns an und Hinweise, Tipps, Unterstützung und Lustiges kann jeder gebrauchen, gleich ob er eine Gruppen- oder Einzelreise vor sich hat. (Zusammengestellt von Michael und Benita)

Urlaub – die weite Welt lockt: Jedes Jahr machen sich Millionen Mitbürger auf zu fernen Ufern, um etwas zu erleben, andere Kulturen kennen zu lernen, neue Naturgebiete zu entdecken und bekannte zu genießen, Freunde und Verwandte zu besuchen. Längst ist Reisen kein Privileg für Wohlhabende und Junge, sondern ein Stück Lebensqualität für jedermann. Das ist auch ein Erfolg von über 100 Jahren Naturfreundearbeit in Europa und darüber hinaus.  

Überdurchschnittlich häufig fahren inzwischen ältere Menschen in den Urlaub, mit dem eigenen Auto, mit dem Bus oder der Bahn. Auch von Flugreisen muss Senioren nicht abgeraten werden. Grundsätzlich gilt: "Wer Treppen steigen kann, darf auch fliegen".

Reisemedizin – Was man im Urlaub beachten sollte.

Aber nur wenn die Gesundheit mitspielt, können die Reise und der Urlaub zum Genuss werden. Je nachdem, wohin die Reise geht, wann und wie gereist wird: durch fehlenden Schutz, falsches hygienisches Verhalten, übertriebenes Sonnenbaden oder sorglosen Umgang mit Nahrungsmitteln kann die Freude am Urlaub schnell und gründlich vorbei sein. Das gilt nicht nur für Fernreisen, sondern auch für Reisen in Nachbarländer, insbesondere auch im Mittelmeerraum.

Deshalb: gut vorbereiten und unsere Tipps beherzigen, damit das Reisefieber die einzige Urlaubskrankheit bleibt.

10 goldene Regeln zur Gesundheitsvorsorge bei Auslandsreisen

1. Niemals ohne Auslandskrankenversicherung reisen

Fragt Eure gesetzliche oder private Krankenversicherung um Umfang des Versicherungsschutzes für die geplante Reise und stellt sicher, dass auch ein medizinischer Rücktransport mit versichert ist.

2. Information

Informiert Euch bei Eurem Hausarzt, in der Apotheke oder im Internet über besondere Gesundheitsrisiken und Vorsorge-Maßnahmen für das Reiseland.

3. Impfschutz

Lasst Euren Impfschutz vor der Reise überprüfen und bei Bedarf ergänzen.

4. Malaria

Bei Reisen in tropische und subtropische Länder solltet Ihr Euch nach Malaria erkundigen und Euch ggf. zur Malariaprophylaxe beraten lassen.

5. Mücken und Insekten

Mücken und Insekten sind in südlichen Ländern gefährliche Krankheitsüberträger. Ihr solltet deshalb bei Reisen in südliche Länder stets ein Mücken- und Insektenabwehrmittel im Reisegepäck mitführen.

6. Nahrungshygiene

Haltet Euch im Ausland, insbesondere in südlichen Ländern an die Grundregeln der Nahrungshygiene.

7. äußere Einflüsse

Sonne, Hitze, Zeitverschiebung sind Einflüsse auf die sich der Körper einstellen muss, besonders wenn die Unterschiede extrem sind. Gebt Eurem Körper Zeit, sich an ein anderes Klima und an eventuelle Zeitverschiebung anzupassen. sollte zwischen dem Reisezielort und Deutschland ein größerer Zeitunterschied bestehen, sprecht mit Eurem Arzt, ob vorübergehend ein anderer Einnahmerhythmus für einzunehmende Medikamente notwendig ist.

8. Reiseapotheke

Vergesst nicht eine kleine Reiseapotheke mitzunehmen, so dass Ihr Euch bei kleineren Verletzungen und leichteren Gesundheitsproblemen auch selbst helfen könnt.

9. gesundheitliche Probleme

Solltet Ihr nach der Rückkehr, trotz aller Vorsorge, Fieber, anhaltenden Durchfall oder sonstige gesundheitliche Probleme haben, lasst dies durch einen Arzt abklären und weist ihn ausdrücklich auf Eure Auslandsreise hin.

10. wichtige Adressen

Wenn ihr auf eigene Faust reist, erfragt die Adresse und Telefonnummer der Deutschen Botschaft oder Konsularvertretung im Reiseland.

Ältere Menschen sollten Flugreisen gut vorbereiten

Besonnene Senioren sollten einige Regeln einhalten, wenn Sie eine Flugreise planen:

Der aktuelle Gesundheitszustand sollte stabil sein. Wer Fieber hat und kein Risiko eingehen will, verschiebt den Flug. Außerdem soll man Aufregung und Hetze vor der Abreise nach Möglichkeit vermeiden. Gelassen bleibt, wer die Reise gut vorbereitet und für die Fahrt zum Flughafen nicht den allerletzten Zug oder Bus gewählt hat.

Übermäßiges Essen vor dem Flug liegt schwer im Magen. Viele Fluggesellschaften bieten leichte Koste und Snacks während des Fluges an. Wer besondere Diäten einhalten muss oder aus anderen Gründen auf besonderes Essen achtet, sollte dies auch bei der Vorbereitung seiner Flugreise beachten.

Man sollte - auch bei der Flugreise – viel trinken, aber von Alkohol wird abgeraten, denn er steigert besonders bei Langstreckenflügen die Thrombosegefahr und kann Kopfschmerzen verursachen.

Reisethrombose wird hervorgerufen durch Bewegungsmangel bei langem Sitzen mit angewinkelten Knien. Gerade in Flugzeugen steht meist zu wenig Platz zur Verfügung und das Thromboserisiko erhöht sich um ein Vierfaches. Bewegungsübungen während der Reise und ein Kompressionsstrumpf helfen, akute Gefahr zu lindern. Teilweise kann auch eine vorsorgliche Spritze vom Hausarzt nötig sein.

Reisende mit chronischen Erkrankungen müssen sich gut beraten lassen, sich selber kontrollieren zu können und ausreichend Medikamente mitnehmen. Um die Kontrollen problemlos passieren zu können, sollte man sich eine chronische Krankheit möglichst mehrsprachig (auf jeden Fall in der Sprache des Ziellandes) ärztlich bestätigen lassen.

Diabetiker kontrollieren sich auf Langstreckenflügen am besten alle drei Stunden. Übrigens steigt bei Flügen von Ost nach West der Insulinbedarf, bei Flügen von West nach Ost sinkt er.

Nach einem Herzinfarkt lässt man sechs bis acht Wochen verstreichen, bevor man ein Flugzeug nimmt, und nach einer Bypass-Operation wird geraten, mindestens drei Wochen zu warten. Menschen mit Herzschrittmachern sollten unbedingt einen Ausweis mitbringen, um die Metalldetektoren umgehen zu können.

Vorschläge für die Reiseapotheke:

 

Nicht alle Eventualitäten lassen sich vorausplanen und bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke berücksichtigen. Unsere Liste soll Orientierungshilfe und Merkzettel sein:

 

4 Verbandsmaterial:

     Mullbinden, Wundpflaster, Heftpflaster

4 elastische Binden

4 Fieberthermometer

4 kleine Schere

4 Splitterpinzette

4 Zeckenzange

4 Handschuhe

4 Medikamente zur äußeren Anwendung:

     antiseptische Wundsalbe oder Lösung

     Antihistaminsalbe gegen Insektenstich-Reaktionen

     Augentropfen gegen Bindehausentzündung

     Ohrentropfen gegen Gehörgangs-Entzündung

4 Medikamente zur inneren Anwendung:

     einfaches Mittel gegen Schmerzen, Fieber, Entzündungen

     krampflösendes Mittel (keine Zäpfchen!)

     leichtes Beruhigungsmittel

     Mittel gegen Durchfall

4 Medikamente, die regelmäßig benötigt werden

     z.B. blutdrucksenkende Mittel

4 Sonnenschutzmittel

     (möglichst wasserfest und mit hohem Lichtschutzfaktor)

4 Insektenschutzmittel

4 Wasserentkeimungsmittel

4 Mittel gegen Reisekrankheit (gehört ins Handgepäck)

Leseempfehlung

ReiseFieber –
Gesundheitstipps für einen unbescherten Urlaub
34-seitige Broschüre, kostenlos zu bestellen bei

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA
51101 Köln

www.bzga-reisegesundheit.de

Senioren reisen "sanft"!

"Die Altersgruppe der über 60 jährigen sind die flexibelsten, und ökologisch verantwortungsvollsten aller Reiseteilnehmer in Deutschland."

Zu diesem überraschenden Ergebnis kam eine Untersuchung des alternativen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Dass SeniorInnen gerne die Bahn benutzen, haben auch die Werbefachleute der Bahn AG begriffen. SeniorInnen sind als Zielgruppe ausgemacht und vielfach werden sie mit speziellen Aktionen beworben.

Als NaturFreundInnen unterstützen wir natürlich die Tendenz zur ökologisch bewussten Reiseplanung.

Auf der anderen Seite wissen wir aber auch um die Schwierigkeiten und Probleme von älteren BürgerInnen beim Reisen.

So sind besonders ältere Frauen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und haben gar nicht die "Freiheit" auf zum Beispiel das Auto umzusteigen.

Um eine möglichst stressfreie Reise mit der Bahn zu gewährleisten ist auch hier eine gute Planung wichtigster Baustein. Vor Antritt einer längeren Reise sollte man unbedingt einige Tage vorher zum nächsten Bahnhof gehen um einen Informationsschalter aufzusuchen. Wer einen kleinen Notizzettel vorbereitet hat, sorgt plötzlichen Gedächtnislücken vor und erleichtert die Arbeit der Bahnmitarbeiter enorm: Hin- und Rückreisedaten, gewünschte Reiseroute, die Frage nach Umsteigehilfe, Möglichkeit der Sitzplatzreservierung u.a. sollten als Fragen darauf vermerkt sein.

Plant für das Umsteigen ausreichend Zeit ein. Der meiste Stress entsteht durch Hetze beim Umsteigen, zudem sind die Verspätungen bei der Bahn in den letzten Jahren unglaublich angestiegen.

Wenn möglich, (gilt leider nicht für alle Bahnhöfe) nehmt das Angebot „Reisepaket“ der Bahn in Anspruch. Für 11,- € bekommt Ihr die Platzreservierungen für die Hin- und Rückfahrt, einen Getränkegutschein und andere Kleinigkeiten; aber wirklich wichtig ist die darin enthaltene Ein-, Um- und Aussteigehilfe inkl. Transport des Gepäcks auf den Bahnhöfen. DHL und Hermes holen Gepäckstücke auch einige Tage vor Abreise von zu Haus ab und bringen es bis zum Zielort in die Unterkunft! Ein toller Service, nur mit Handgepäck reisen. 

Wer sich Fahrkarte, Fahrplaninformation (mit Nennung der Bahnsteige für Ein und Umsteigen) und die Sitzplatzreservierung vorzeitig organisiert hat wird sicherlich eine erholsame Urlaubsreise antreten können.  

Natürlich können auch bei der Zugfahrt Probleme auftreten. Extreme Verspätungen, Zugausfälle usw. sind möglich.

Der wichtigste Grundsatz ist: Ruhig bleiben.

Die Servicemitarbeiter der Bahn sind gehalten alle Eure Probleme zu beseitigen. Im Notfall wird die Bahn Ersatztransportmittel zur Verfügung stellen.

Leider ist durch den massiven Personalabbau bei der Bahn AG auch das Personal öfter mal überfordert. Lasst Euch den Urlaub auch in einer solchen Situation nicht verdrießen. Schreibt euch die Vorkommnisse möglichst mit Datum, Ort und Uhrzeit auf, nach dem Urlaub reicht meist ein Brief an die Bahn AG um eine angemessene Entschädigung zu erwirken.

Bei gesundheitlichen Problemen während einer Bahnreise sollte natürlich zuerst das Servicepersonal verständigt werden. Die Zugbegleiter sind für Erste-Hilfe-Maßnahmen ausgebildet. In vielen größeren Bahnhöfen kann man sich auch an die Bahnhofsmission wenden. Hier sind immer freundliche, hilfsbereite Menschen die mit Ruhe und Zeit auf die Probleme auch von älteren Reisenden eingehen. 


Von einem, der's ja wissen muss.

Interview mit Heinz Bensberg

Lieber Heinz, seit wie vielen Jahren bietest Du Gruppenreisen für die Naturfreunde an?

H: Seit 10 Jahren organisiere ich für die OG Köln Gruppenreisen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Großmutter in ihrem Leben - über Familienbesuche hinaus - je verreist ist. Hast Du den Eindruck, dass Senio­ren heute selbstverständlicher verreisen als noch vor 30 Jahren?

H: Senioren sind es heute gewohnt zu verreisen. Die meisten auch mehr­mals im Jahr. Es ist nicht immer Erholungsurlaub vielmehr der Drang etwas in der Gemeinschaft zu erleben, benachbarte Länder zu besuchen und deren Schönheiten zu entdecken.

Haben sich die Ansprüche der älteren Reiseteilnehmer im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert?

H: Die Ansprüche der älteren Reiseteilnehmer haben sich sehr verändert. Man spricht zwar immer von der guten alten Zeit. Es ist aber nur selten möglich, dass sich zwei einzelne Personen ein Zimmer teilen. Wenn man gewohnt ist alleine zu leben dann freut man sich am Tage auf die Gemein­schaft aber das Zimmer möchte man nur alleine benutzen. Natürlich mit Dusche / WC und Telefon.

Gibt es spezielle Probleme, auf die du achten musst, wenn ältere Leute an Deinen Reisen teilnehmen?  

H: Der Aufenthaltsort sollte nicht zu hoch liegen und das Umfeld möglichst flach sein. Das Hotel muss übersichtlich sein und möglichst einen Aufzug haben.

Deine Reiseteilnehmer sind ja ein buntes Fölkchen: 50-  und 85- jährige, körperlich fitte und eingeschränkt bewegungsfähige. Wie schaffst du den "Spagat" in Bezug auf deren Ansprüche und Möglichkeiten?

H: Wenn die körperliche Fitness gefordert wird, biete ich meistens mehrere Möglichkeiten an. In der Regel übernimmt Lore dann die weniger Bewegli­chen (Botaniker genannt). Durch moderne Kommunikationsmöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit Lore und dem Busfahrer lässt sich vieles regeln. Der Busfahrer gehört bei uns immer zur Gruppe und ist über alles informiert.

Es ist ja nicht so einfach, ältere Mitbürger in eine Reisegruppe zu integrie­ren. Hast Du denn da ein paar spezielle Tricks auf Lage, die Du verraten willst?

H: Es ist immer mein Bestreben, alle miteinander zu einer großen Gruppe zu vereinen. Insbesondere sollte jeder jeden mit dem Vornamen kennen und ansprechen und keinen ausgrenzen. Es klappt nicht immer, aber meistens.

Da hast ja inzwischen umfangreiche Reiseerfahrung. Gibst Du den Men­schen, die mit Dir verreisen denn besondere Ratschläge zum Essen und Trinken auf Reisen?

H: Ich gebe nur Ratschläge wenn ich dazu befragt werde. Ich bin kein Gesundheitsapostel. Wenn es möglich ist achte ich darauf, dass man zwischen 2 Gerichten auswählen kann.


Beruhigt in den Urlaub!  

Christel und Karl sind beide um die siebzig Jahre alt, mobil und fit.

Die beiden Senioren verreisen gerne, meist mit dem Zug, aber einmal im Jahr - oft im Winterhalbjahr – fliegen sie der Sonne entgegen.  

Die Reisevorbereitungen werden mit Akribie betrieben, alles ist perfekt organisiert. Nach Ankunft genießen die beiden lange Spaziergänge in der Natur.

Leider schleicht sich in ihre Gespräche immer wieder das eine Thema ein:

Was ist mit der heimischen Wohnung? Die Angst, jemand könnte in ihr Heim einbrechen droht, ihnen die Erholung und Entspannung zu verderben.

Besonders ältere Menschen haben große Angst, dass Ihnen in Abwesenheit das traute Heim ausgeraubt und zerstört wird. Dabei kann man mit einigen schlichten Maßnahmen ein hohes Maß an Sicherheit erreichen:

4 Organisiert mit befreundeten Nachbarn (ein gewisses Maß an Vertrauen vorausgesetzt) eine Nachbarschaftshilfe. Natürlich kann und sollte man auch selbst helfen, wenn die Nachbarn verreisen.

4 Wichtig ist, das Haus bewohnt erscheinen zu lassen. Durch regelmäßiges Leeren des Briefkastens, Betätigen der Rollläden, Auf- und Zuziehen der Vorhänge, Ein- und Ausschalten von Licht, Fernsehen und Radio mithilfe einer Zeitschaltuhr wird nicht gleich offensichtlich, dass keiner zuhause ist.

4 Für Notfälle hinterlasst bei Nachbarn im Wohnblock oder der Straße Anschrift und Telefonnummern unter denen Ihr erreichbar seid, vielleicht auch das Autokennzeichen, falls Ihr viel unterwegs seid.

4 Die technische Absicherung des Hauses lässt sich oft über einige wenige Verriegelungen und Schlösser herstellen. Dabei ist oft nicht das Teuerste das beste. Um den individuellen Bedarf für eine Wohnung oder ein Haus zu bestimmen lohnt es sich vorab einen Termin bei der Polizei (evtl. gemeinsam mit Nachbarn) zu organisieren. Das Kommissariat „ Vorbeugung“ organisiert Beratungstermine, besonders gerne für Nachbarschaftsgruppen.

Diese wenigen Verhaltensmaßregeln werden dazu führen, dass Christel und Karl sich bei ihren Spaziergängen entspannen können und sich ohne Sorge auf den Winterabend in ihrem Zuhause freuen können.

Weitere Informationen:

Polizeiliche Beratungsstelle (K61)
Hohe Pforte 9 – 11
50676 Köln
Tel: 0221–2296831

Viel Spaß im Urlaub!
wünschen Michael und Benita